Solandia

 

Gedankenlos starre ich aus der Luke der Zelle, des Baus der sich um mich und meine Seele schließt, damit ich und sie keinen Schaden mehr nehmen können. Wichtig ist dabei, die Seele rein zu halten.

Mein Blick wird von dem sonnigen Geviert angezogen und dringt hinaus ins Freie, wie mein Gemächt in sie gedrungen war, bevor ich hierher kam und begann mich selbst zu kasteien, mich von den Gelüsten zu befreien, die mein Fleisch plagen und den Willen schwächen.

Solandia! Ich schrecke auf und knie mich vor das Kreuz. Dann beginne ich zu beten und noch während ich bete sehe ich sie vor mir. Laut sage ich das Ave Maria, ich schreie es, um die Bilder aus mir zu verdrängen. Der Prior riet mir, mich zu geißeln, sollten die Gelüste zu intensiv werden. Geht weg ihr Dämonen!

Das Ave rufend knie ich vor dem Kreuze Jesu und versuche nicht, an sie zu denken, nicht an die Fleischeslust, die wir zusammen durchlebten, verlebten, die uns verzehrte. Und wir wussten beide, es war falsch. Wie konnte ich mich auch nur mit dir einlassen? Einer verheirateten Frau! Solandia! Ah!

Das Scheit unter meinen Knien bohrt sich tiefer und ich werde immer lauter. Ich mag mich nicht quälen! Doch wie sonst sollte ich den Gedanken an sie von mir fernhalten?

 

Solandia!

 

Ich sage erneut das Ave Maria und sie dringt in meine Gedanken. Ich sehe sie, schüchtern lächelnd, wie sie neben ihrem Gatten steht, die Haube bedeckt züchtig ihr Haar. Das Kleid, das sich anmutig an sie schmiegt – sie ist die Anmut, der Liebreiz, dieses ferne Lächeln, das sie mir schenkt. Halleluja, dachte ich damals und als sie sprach, hörte ich einen Engel singen. Ich betete sie an und sie betörte mich. Jeden Abend folgten ihr meine Blicke und ich konnte nicht umhin, um sie zu werben, wenn auch sehr dezent und in Anbetracht ihres Gatten auch furchtsam.

Solandia, geliebte Fürstin, Königin, Göttin meiner Lenden, meines Herzens, meiner Geilheit – damals. Heute Dämon meiner Nächte, meiner Lenden, meines Herzens, Fessel meiner Freiheit, der ich mich selbst beraubte.

„Ah … Ave Maria … der Herr ist mit mir … mit mir … mir!“ rufe ich in die Stille meiner Klosterzelle.

Doch vor mir kniet Solandia und ich befreie ihr Haar von der Haube und liebkose die langen Flechten, wickle sie um meine Finger und küsse ihre Spitzen. Ich knie ihr gegenüber, lasse das Haar los und liebkose nun ihre Wangen, ihre Lippen, die lustigen Grübchen an der Seite, streiche ihr über den Hals und küsse ihren Mund. Sie lässt mich gewährend und ein, dringt tief mit ihrer Zunge in mich vor und raubt mir den Atem während sie ihn mir schenkt. Es ist ihr Leben, das ich fühle, ihren Atem, den ich trinke und in dem ich neugeboren werde.

Atemlos, in einer Umarmung gefangen, die der des Efeus an einem Baum gleicht, fest und zart zugleich, sinken wir zur Seite, liegen ertrinkenden gleich in einem Meer aus Moos, hoffend auf eine Ewigkeit, die nie beginnt. Solandia. Sie entfernt meine Hose und ich merke erst jetzt, wie mich ihre Berührungen erregen, wie sich nicht nur jedes Haar scheinbar in ihre Richtung bewegt und aufrichtet, nein auch mein Gemächt sucht sie, ihren Eingang, ihre geheimnisvolle Höhle, die Weiblichkeit, den Brunnen, in dem ein Mann ertrinken kann, der Brunnen der ewigen Jugend und der Unsterblichkeit. Ich versinke in ihr, in ihrem Mund, denn sie beugt sich zu mir, reißt mir den letzten Rest Stoff und Schamhaftigkeit vom Körper bevor sie an mir zu saugen beginnt, meine Männlichkeit tief in sich aufnimmt und mir versagt der Verstand. O Weib, was bist du groß!

„Ave … Maria! Herr, Jesus … erbarme dich meiner …!“, rufe ich in die Zelle. Ich merke meine Erregung und will mich noch nicht schlagen. Verzweifelt versuche ich sie wegzuatmen, mir hässliche Dinge vorzustellen. Bruder Vincente der sich nie wäscht, fällt mir ein. Aber der hat so eine wunderbare Stimme.

 

Solandia! O sie bläst mich, spielt auf mir eine Sinfonie der Gier, der blanken Geilheit und ich mache das gleiche.

 

Mit geschlossenen Augen knie ich vor dem Kreuz und sehe mich, wie ich Solandia packt, ihr das Kleid aufschnüre, und mir vor lauter Gier der Geifer zu laufen beginnt. Ich küsse  ihre Brüste, knete und sauge an ihnen, glücklich wie ein Kind. Dann schiebe ich ihren Rock hoch, drücke ihre Beine auseinander und finde schließlich ihren willigen Eingang. Den Eingang zum Glück, den Brunnen der Ewigkeit und ich lecke ihn aus, schmeckte jede Einzelheit, während ich mich tief in sie wage, die Mutter Erde ihr Salz rieche und ihr Wasser schmecke. Solandia! Meine Finger erkunden deine Tiefe, schrauben sich in dich und verführen uns immer weiter, dem Himmel nahe kommen wir, so nahe, wie wir ihm nur sein können. Du rufst meinen Namen, den alten, den, den ich vergessen soll. Ich darf ihn nicht hören. Gabriel! Gabriel! Und sie packt mich erneut, reibt mein Gemächt in ihren zarten Händen, lässt ihre Lippen darüber gleiten, stülpt sich gleichsam auf mich und …

 

„Jesus! Gott Vater … hilf mir!“, rufe ich, vergeblich um Beherrschung flehend. Nun greife ich doch noch der Peitsche und lasse sie auf meinen Rücken knallen, immer und immer wieder. Doch der Schmerz, lässt den einen nur noch heftiger hervortreten. Ich fühle meinen Penis schmerzhaft pochen, ich darf mir nicht nachgeben! Ich habe es gelobt! Dann sehe ich sie, sie lächelt und der Schmerz vergeht, verzehrt sich in sich selbst.

 

Ich nehme sie hoch und setze sie auf mich. Als wären wir aus einem Guss sitzen wir mitten einer Lichtung und versinken in uns. Wir reiten uns nicht mehr wissend, wer wen besitzt, geben der unendlichen Lust nach, erfreuen uns an uns und der reinen Gegenwart. Das Moos unter uns ist das reinste Himmelbett, ein aus Wolken gemachtes Liebesnest für die Ewigkeit der Gier.

 

„Gott Vater, der du bist im Himmel!“ Ich schlage mich weiter. Es hilft nichts. Ich werde es heute vor der Abendandacht beichten müssen. Der Prior wird davon nicht begeistert sein. Er wird mich mit dem Prügel schlagen, mir den Dämon der Lust austreiben wollen. Oder empfindet er Lust dabei, wenn er auf meinen nackten Körper einschlägt?

 

Solandia! Ich komme und komme von einem Höhepunkt zum nächsten treiben wir uns an, laufen mit den Sonnenstrahlen um die Wette und entkommen ihr nicht.

 

Wir trieben es zu weit, zu laut waren wir in unserer Geilheit, die von Heimlichkeit getragen hätte sein müssen. Zu sehr waren wir ineinander versunken, um den Fürst zu bemerken.

 

Ich höre sie schreien … höre ihre Lust und den folgenden Schmerz – als ich mir endlich nachgebe und mir vor dem gekreuzigten Jesu Erleichterung verschaffe, dabei heule wie ein Schuljunge und genau weiß, ich werde dafür bestraft werden, ich bestrafe mich selbst.

 

Was mache ich hier?

Herr Jesus, guter Gott, warum hast du uns die Lust gegeben!

 

 

 

Thema: Solandia

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